oikos-Institut verabschiedet Beate Heßler und Klaus Göke
Großer Dank für ihren Einsatz für Ökumene und Gerechtigkeit
Nach fast 40 Jahren Dienst als Pfarrerin ist Beate Heßler in den Ruhestand gegangen. Ihr Wirken in der Evangelischen Kirche von Westfalen war besonders geprägt für Ökumene, interkulturelle Entwicklung und ökumenische Frauenarbeit. Ihr Kollege Klaus Göke hatte 16 Jahre lang mit einer halben Stelle die ökumenische Arbeit der westfälischen Kirche mitgestaltet. Er trat vor allem für mehr Gerechtigkeit ein, zeigte Solidarität mit Geflüchteten und engagierte sich in der Partnerschaftsarbeit mit Tansania.
Göke vertrat die westfälische Kirche im deutschen Bündnis „erlassjahr.de – Entschuldung braucht Entwicklung“, dass einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder des globalen Südens einfordert. Es macht seit mehr als 30 Jahren auf den Zusammenhang zwischen staatlicher Verschuldung und mangelnder Entwicklung im globalen Süden aufmerksam. Hoher Schuldendienst führt dort häufig zu Kürzungen bei Bildung und Gesundheit – „zulasten der ärmsten Menschen“, kritisiert Göke. Er bleibt mit einer halben Stelle weiterhin als Gemeindepfarrer in Bottrop tätig.
Dabei blickt er auf tiefgreifende Veränderungen in den deutschen Kirchen: Seit Beginn der 2020er Jahre prägen „der steigende Verlust der Mitglieder und die schwindende Finanzkraft“ das kirchliche Leben. Besonders schwer vermittelbar sei dies in ökumenischen Begegnungen, da etwa in Tansania Deutschland als Herkunftsland des Christentums gilt: „Das ist doch das Land von Martin Luther, da müssen die Kirchen doch voll sein.“
Einen tiefgreifenden Wandel erlebte auch Heßler im Bereich Mission und Ökumene innerhalb der westfälischen Landeskirche. Als sie im Jahr 2000 ihre Arbeit aufnahm, habe es noch kaum feste Strukturen gegeben. Mit dem synodalen Papier „Alle in einem Boot“ sei Ökumene schließlich als grundlegende Dimension des Kirchenverständnisses verankert worden.
Für Heßler war das ein entscheidender Schritt: „Die Kirche ist in ihrem Wesen ökumenisch.“ Sie lebe davon, „über den Tellerrand zu schauen und gemeinsam mit den Glaubensgeschwistern aus aller Welt ihr Loblied zu singen.“ Deutschland sei ein Einwanderungsland – und das verändere auch die Kirche. Sie werde „vielsprachig, bunt und reich an vielen verschiedenen Glaubensgeschichten“. Umso schmerzlicher empfindet Heßler den zunehmenden Rassismus und die Feindseligkeiten gegenüber Zugewanderten.
Im Arbeitsfeld „Kirche in Vielfalt – interkulturelle Entwicklung“ setzte sie sich für mehr Teilhabe und Anerkennung ein. Wichtig sei die Anerkennung internationaler Berufsabschlüsse, auch im Pfarramt. Vor allem aber gelte es, die bereits vorhandene Vielfalt in den Gemeinden wahrzunehmen. „Welch ein Reichtum an Spiritualität ließe sich entdecken“, wenn Menschen stärker beteiligt und ihre Erfahrungen ernst genommen würden.
Heßlers Dienst sei geprägt gewesen von Respekt und von einem offenen Herzen für Menschen, hob der Pastor für persischsprachige Seelsorge in Westfalen, Mehrdad Sepehri Fard, bei ihrer Verabschiedung hervor. Heßler sei für ihn wie eine Schwester, „mit der man Verantwortung teilt, aber auch Zweifel, Fragen und Hoffnungen.“
Ökumenische Arbeit sei immer mit persönlicher Begegnung und emotionalen Erfahrungen verbunden, sagte Annette Salomo, ehrenamtliches Mitglied der westfälischen Kirchenleitung. Heßler sei für sie das „Urgestein der westfälischen Ökumene“, immer offen für jeden neuen Menschen und für Erkenntnisse und Ideen, um die ökumenische Arbeit zu bereichern.
Die westfälische Kirche sei auch Dank Heßlers Arbeit bunter geworden. In Gemeinden seien Menschen aus verschiedenen Erdteilen angestellt, es gab einige Aufbrüche. „Nicht Abgrenzung“, sondern Wahrnehmung der jeweils persönlichen Lebensgeschichte bringe Menschen zusammen, sagte die Pfarrerin i.R. und frühere Amtsleiterin der oikos-Vorgängereinrichtung, Annette Muhr-Nelson.
Aus anfänglichen Modellprojekten ist nach Heßler Ansicht inzwischen ein kirchlich anerkannter Standard geworden. Gemeinden integrierten mehrsprachige Elemente in Gottesdienste, interkulturelle Bibelkreise entstanden, und die Landessynode habe entsprechende Beschlüsse gefasst. Besonders freut Heßler, dass dieser Arbeitsbereich auch künftig im oikos-Institut für Mission und Ökumene verankert bleibt.
Als besonders prägend beschreibt Heßler ihre ersten Dienstjahre im Kirchenkreis Essen-Nord, wo es bereits viele Frauen im Pfarramt gab – in den 1980er Jahren noch keine Selbstverständlichkeit. Auch die ökumenische Frauenarbeit war ihr ein Anliegen. In internationalen Frauenkonsultationen wurden geschützte Räume geschaffen, in denen Frauen über Gewalt, Krieg und Ausgrenzung sprechen konnten. Aber Fragen der Frauenordination seien in manchen Partnerkirchen weiterhin ungelöst.
oikos-Institut verabschiedet Beate Heßler und Klaus Göke

Großer Dank für ihren Einsatz für Ökumene und Gerechtigkeit
Nach fast 40 Jahren Dienst als Pfarrerin ist Beate Heßler in den Ruhestand gegangen. Ihr Wirken in der Evangelischen Kirche von Westfalen war besonders geprägt für Ökumene, interkulturelle Entwicklung und ökumenische Frauenarbeit. Ihr Kollege Klaus Göke hatte 16 Jahre lang mit einer halben Stelle die ökumenische Arbeit der westfälischen Kirche mitgestaltet. Er trat vor allem für mehr Gerechtigkeit ein, zeigte Solidarität mit Geflüchteten und engagierte sich in der Partnerschaftsarbeit mit Tansania.
Göke vertrat die westfälische Kirche im deutschen Bündnis „erlassjahr.de – Entschuldung braucht Entwicklung“, dass einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder des globalen Südens einfordert. Es macht seit mehr als 30 Jahren auf den Zusammenhang zwischen staatlicher Verschuldung und mangelnder Entwicklung im globalen Süden aufmerksam. Hoher Schuldendienst führt dort häufig zu Kürzungen bei Bildung und Gesundheit – „zulasten der ärmsten Menschen“, kritisiert Göke. Er bleibt mit einer halben Stelle weiterhin als Gemeindepfarrer in Bottrop tätig.
Dabei blickt er auf tiefgreifende Veränderungen in den deutschen Kirchen: Seit Beginn der 2020er Jahre prägen „der steigende Verlust der Mitglieder und die schwindende Finanzkraft“ das kirchliche Leben. Besonders schwer vermittelbar sei dies in ökumenischen Begegnungen, da etwa in Tansania Deutschland als Herkunftsland des Christentums gilt: „Das ist doch das Land von Martin Luther, da müssen die Kirchen doch voll sein.“
Einen tiefgreifenden Wandel erlebte auch Heßler im Bereich Mission und Ökumene innerhalb der westfälischen Landeskirche. Als sie im Jahr 2000 ihre Arbeit aufnahm, habe es noch kaum feste Strukturen gegeben. Mit dem synodalen Papier „Alle in einem Boot“ sei Ökumene schließlich als grundlegende Dimension des Kirchenverständnisses verankert worden.
Für Heßler war das ein entscheidender Schritt: „Die Kirche ist in ihrem Wesen ökumenisch.“ Sie lebe davon, „über den Tellerrand zu schauen und gemeinsam mit den Glaubensgeschwistern aus aller Welt ihr Loblied zu singen.“ Deutschland sei ein Einwanderungsland – und das verändere auch die Kirche. Sie werde „vielsprachig, bunt und reich an vielen verschiedenen Glaubensgeschichten“. Umso schmerzlicher empfindet Heßler den zunehmenden Rassismus und die Feindseligkeiten gegenüber Zugewanderten.
Im Arbeitsfeld „Kirche in Vielfalt – interkulturelle Entwicklung“ setzte sie sich für mehr Teilhabe und Anerkennung ein. Wichtig sei die Anerkennung internationaler Berufsabschlüsse, auch im Pfarramt. Vor allem aber gelte es, die bereits vorhandene Vielfalt in den Gemeinden wahrzunehmen. „Welch ein Reichtum an Spiritualität ließe sich entdecken“, wenn Menschen stärker beteiligt und ihre Erfahrungen ernst genommen würden.
Heßlers Dienst sei geprägt gewesen von Respekt und von einem offenen Herzen für Menschen, hob der Pastor für persischsprachige Seelsorge in Westfalen, Mehrdad Sepehri Fard, bei ihrer Verabschiedung hervor. Heßler sei für ihn wie eine Schwester, „mit der man Verantwortung teilt, aber auch Zweifel, Fragen und Hoffnungen.“
Ökumenische Arbeit sei immer mit persönlicher Begegnung und emotionalen Erfahrungen verbunden, sagte Annette Salomo, ehrenamtliches Mitglied der westfälischen Kirchenleitung. Heßler sei für sie das „Urgestein der westfälischen Ökumene“, immer offen für jeden neuen Menschen und für Erkenntnisse und Ideen, um die ökumenische Arbeit zu bereichern.
Die westfälische Kirche sei auch Dank Heßlers Arbeit bunter geworden. In Gemeinden seien Menschen aus verschiedenen Erdteilen angestellt, es gab einige Aufbrüche. „Nicht Abgrenzung“, sondern Wahrnehmung der jeweils persönlichen Lebensgeschichte bringe Menschen zusammen, sagte die Pfarrerin i.R. und frühere Amtsleiterin der oikos-Vorgängereinrichtung, Annette Muhr-Nelson.
Aus anfänglichen Modellprojekten ist nach Heßler Ansicht inzwischen ein kirchlich anerkannter Standard geworden. Gemeinden integrierten mehrsprachige Elemente in Gottesdienste, interkulturelle Bibelkreise entstanden, und die Landessynode habe entsprechende Beschlüsse gefasst. Besonders freut Heßler, dass dieser Arbeitsbereich auch künftig im oikos-Institut für Mission und Ökumene verankert bleibt.
Als besonders prägend beschreibt Heßler ihre ersten Dienstjahre im Kirchenkreis Essen-Nord, wo es bereits viele Frauen im Pfarramt gab – in den 1980er Jahren noch keine Selbstverständlichkeit. Auch die ökumenische Frauenarbeit war ihr ein Anliegen. In internationalen Frauenkonsultationen wurden geschützte Räume geschaffen, in denen Frauen über Gewalt, Krieg und Ausgrenzung sprechen konnten. Aber Fragen der Frauenordination seien in manchen Partnerkirchen weiterhin ungelöst.


