Wasser ist Leben

Kampf für Wasser, Territorium, Ernährungssicherung und Gerechtigkeit in Peru

Wie leben Menschen in Peru mit den Folgen von Klimawandel, Ungleichheit und Kolonialismus? Und wie organisieren sie sich, um Wasser, Land und Ernährung zu sichern? Diesen Fragen ging die ROED-Reise (Referent*innen ökumenischer Diakonie) von Brot für die Welt nach Peru nach, an der auch Ailed E. Villalba Aquino für das oikos-Institut teilnahm. Im Mittelpunkt stand das Thema Wasser – als Lebensgrundlage, als Menschenrecht und zunehmend als Rechtssubjekt.

Gemeinsam mit Partnerorganisationen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft vor Ort besuchte die Delegation Lima und Cusco, um zu erfahren, wie Wasserfragen, Ernährungssicherung, Klimagerechtigkeit und politische Teilhabe zusammenhängen. Dabei wurde deutlich: Wasser ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale, politische, juristische und spirituelle Frage – eng verbunden mit Strukturen von Ungleichheit und Kolonialität, die bis heute das Leben vieler Menschen prägen.

In Lima berichtete die Verbindungsstelle (VEST) von Brot für die Welt von den aktuellen Herausforderungen im Land: wachsender informeller Arbeitsmarkt, politische Instabilität, Rückgang staatlicher Leistungen und ein restriktives NGO-Gesetz. Dennoch begleitet VEST 38 Partnerorganisationen mit 39 Projekten und stärkt sie in nachhaltiger Entwicklung, Menschenrechten und politischer Partizipation.

Ein eindrückliches Beispiel ist das Instituto de Defensa Legal (IDL), das indigene Gemeinschaften im Amazonasgebiet berät – etwa die Kukama-Frauen im Fall des Flusses Río Marañón, der als erstes Gewässer in Peru den Status eines Rechtssubjekts erhielt. Jurist Juan Carlos Ruiz erklärt: „Der Fall hat weit über die Region hinaus Bedeutung: Er verankert das indigene Verständnis von Wasser als lebendigem Wesen im peruanischen Recht.“ Und er fügt hinzu: „Die Anwälte sind nicht die Protagonisten, die Kukama-Frauen sind es.“

Im andinen Hochland arbeitet die Organisation Asociación Arariwa – „Wächter des Wassers“ – mit Bauerngemeinschaften an agrarökologischen Projekten. Durch das „Wasser Säen“ – das gezielte Versickern von Regenwasser – stabilisieren sie den Grundwasserspiegel und sichern die Ernten. Ernährungssouveränität spielt dabei eine zentrale Rolle: Rund 180 Kartoffelsorten werden in Bioqualität angebaut, ebenso Gemüse, Kräuter und Früchte. Frauenorganisationen wie die Asociación de las Mujeres Niustas de Paccarectambo leiten Märkte und Fortbildungen. „Wir schützen das Wasser und entwickeln unsere Arbeit mit unseren Familien“, sagt Juana, Vertreterin der Asociación de emprendedoras.

Das Centro Bartolomé de las Casas (CBC) in Cusco arbeitet mit einem dekolonialen Ansatz. Es verbindet traditionelles und modernes Wissen und begleitet indigene Gemeinden dabei, ihre Wasserquellen, Wälder und Böden zu schützen. In Piuray-Ccorimarca, wo eine Lagune das Trinkwasser für Cusco liefert, planen die Dörfer gemeinsam Aufforstungen und bauen Rückhaltebecken. In sogenannten Wasserräten entscheiden die Gemeinschaften täglich neu, welche Gruppe das gespeicherte Wasser nutzt – ein lebendiges Beispiel gelebter Solidarität und Selbstverwaltung.

„Klimagerechtigkeit bedeutet, dass Natur, Menschenrechte und indigene Perspektiven zusammen gedacht werden müssen“, betont Sandy El Berr von der Dialogstelle für Indigene Völker in Lima.

Wasser ist Leben – und Leben hat Rechte. Menschen, Gemeinschaften und Organisationen arbeiten gemeinsam mit Partnerorganisationen von Brot für die Welt in Peru daran, Wasser, Wissen und Territorien zu bewahren – und mit Mut und Kreativität Gegenwart und Zukunft zu gestalten. Die sind die Protagonist*innen!

Foto: ROED-Reise / Brot für die Welt

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Wasser ist Leben

Kampf für Wasser, Territorium, Ernährungssicherung und Gerechtigkeit in Peru

Wie leben Menschen in Peru mit den Folgen von Klimawandel, Ungleichheit und Kolonialismus? Und wie organisieren sie sich, um Wasser, Land und Ernährung zu sichern? Diesen Fragen ging die ROED-Reise (Referent*innen ökumenischer Diakonie) von Brot für die Welt nach Peru nach, an der auch Ailed E. Villalba Aquino für das oikos-Institut teilnahm. Im Mittelpunkt stand das Thema Wasser – als Lebensgrundlage, als Menschenrecht und zunehmend als Rechtssubjekt.

Gemeinsam mit Partnerorganisationen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft vor Ort besuchte die Delegation Lima und Cusco, um zu erfahren, wie Wasserfragen, Ernährungssicherung, Klimagerechtigkeit und politische Teilhabe zusammenhängen. Dabei wurde deutlich: Wasser ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale, politische, juristische und spirituelle Frage – eng verbunden mit Strukturen von Ungleichheit und Kolonialität, die bis heute das Leben vieler Menschen prägen.

In Lima berichtete die Verbindungsstelle (VEST) von Brot für die Welt von den aktuellen Herausforderungen im Land: wachsender informeller Arbeitsmarkt, politische Instabilität, Rückgang staatlicher Leistungen und ein restriktives NGO-Gesetz. Dennoch begleitet VEST 38 Partnerorganisationen mit 39 Projekten und stärkt sie in nachhaltiger Entwicklung, Menschenrechten und politischer Partizipation.

Ein eindrückliches Beispiel ist das Instituto de Defensa Legal (IDL), das indigene Gemeinschaften im Amazonasgebiet berät – etwa die Kukama-Frauen im Fall des Flusses Río Marañón, der als erstes Gewässer in Peru den Status eines Rechtssubjekts erhielt. Jurist Juan Carlos Ruiz erklärt: „Der Fall hat weit über die Region hinaus Bedeutung: Er verankert das indigene Verständnis von Wasser als lebendigem Wesen im peruanischen Recht.“ Und er fügt hinzu: „Die Anwälte sind nicht die Protagonisten, die Kukama-Frauen sind es.“

Im andinen Hochland arbeitet die Organisation Asociación Arariwa – „Wächter des Wassers“ – mit Bauerngemeinschaften an agrarökologischen Projekten. Durch das „Wasser Säen“ – das gezielte Versickern von Regenwasser – stabilisieren sie den Grundwasserspiegel und sichern die Ernten. Ernährungssouveränität spielt dabei eine zentrale Rolle: Rund 180 Kartoffelsorten werden in Bioqualität angebaut, ebenso Gemüse, Kräuter und Früchte. Frauenorganisationen wie die Asociación de las Mujeres Niustas de Paccarectambo leiten Märkte und Fortbildungen. „Wir schützen das Wasser und entwickeln unsere Arbeit mit unseren Familien“, sagt Juana, Vertreterin der Asociación de emprendedoras.

Das Centro Bartolomé de las Casas (CBC) in Cusco arbeitet mit einem dekolonialen Ansatz. Es verbindet traditionelles und modernes Wissen und begleitet indigene Gemeinden dabei, ihre Wasserquellen, Wälder und Böden zu schützen. In Piuray-Ccorimarca, wo eine Lagune das Trinkwasser für Cusco liefert, planen die Dörfer gemeinsam Aufforstungen und bauen Rückhaltebecken. In sogenannten Wasserräten entscheiden die Gemeinschaften täglich neu, welche Gruppe das gespeicherte Wasser nutzt – ein lebendiges Beispiel gelebter Solidarität und Selbstverwaltung.

„Klimagerechtigkeit bedeutet, dass Natur, Menschenrechte und indigene Perspektiven zusammen gedacht werden müssen“, betont Sandy El Berr von der Dialogstelle für Indigene Völker in Lima.

Wasser ist Leben – und Leben hat Rechte. Menschen, Gemeinschaften und Organisationen arbeiten gemeinsam mit Partnerorganisationen von Brot für die Welt in Peru daran, Wasser, Wissen und Territorien zu bewahren – und mit Mut und Kreativität Gegenwart und Zukunft zu gestalten. Die sind die Protagonist*innen!

Foto: ROED-Reise / Brot für die Welt

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