Ökumenischer Schöpfungstag zu Tierwohl und Tierethik
Annette Salomo: „Wenn Lebensraum der Tiere zerstört wird, ist auch unser Leben in Gefahr“
Das Zusammenleben von Menschen und Tieren stand beim diesjährigen Ökumenischen Tag der Schöpfung im Mittelpunkt. Die zentrale Eröffnungsfeier der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland fand erstmals in Nordrhein-Westfalen statt. Die gastgebende ACK-NRW hatte dazu auf das Gelände des Landwirtschaftszentrums „Haus Düsse“ der Landwirtschaftskammer NRW eingeladen.
Der diesjährige Schöpfungstag (5. September) rückte den biblischen Psalm „Gott, du hilfst Menschen und Tieren“ (Ps 36,7) in den Mittelpunkt. Es wurde daran erinnert, dass Gott nicht nur die Menschen, sondern alle seine Geschöpfe im Blick hat. Ein Gottesdienst sowie geistliche und programmatische Impulse eröffneten den Dialog über die Rolle der Kirchen als Bewahrerin und Fürsprecherin der Schöpfung. Für die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) nahm Annette Salomo, Mitglied der Kirchenleitung, an den Feierlichkeiten teil.
Zu Wort kamen unterschiedliche Meinungen und Positionen zu Tierwohl und Tierethik. Vertreter*innen verschiedener christlicher Kirchen, der Wissenschaft und Landwirtschaft sowie Gäste aus Politik und Gesellschaft hatten diskutierten gemeinsam. Einen Vortrag „Wen streicheln wir, wen essen wir?“ mit ethischen und theologischen Aspekten rund ums Thema Fleischkonsum hielt der Paderborner Religionslehrer Markus Bürger, der auch am „Institut für theologische Zoologie“ in Münster (ITZ) lehrt.
Tiere müssten als Mitgeschöpfe geachtet werden und ihre Lebensräume bewahrt werden, erklärte Annette Salomo zum Schöpfungstag. „Diese Mitgeschöpflichkeit verpflichtet uns, die Würde und das Leben der Tiere genauso ernst zu nehmen wie das Wohlergehen der Menschen.“ Wenn der Lebensraum der Tiere zerstört werde, „ist auch unser eigenes Leben in Gefahr“, warnte sie.
Salomo beklagte das Abholzen ganzer Regenwälder in Indonesien und Roden großer Waldflächen in Tansania. Tiere würden so vertrieben und keine Nahrung mehr finden, Menschen spürten die Folgen durch Bodenerosion und Klimaveränderungen. „Wir können nur in Gerechtigkeit und Frieden mit Gott leben, wenn wir die Mitgeschöpfe achten, ihre Lebensräume bewahren und unseren eigenen Lebensstil so verändern, dass er nicht auf Kosten anderer Geschöpfe geht“, betonte sie.
Der Münsteraner Weihbischof Rolf Lohmann, Beauftragter für Umwelt- und Klimafragen der Deutschen Bischofskonferenz, sagte in seiner Predigt zum Schöpfungstag: „Bis heute nehmen wir Tiere meist nur als Nutztiere wahr. Ihre Perspektive versuchen wir dabei nur selten einzunehmen.“ Das Wohl der Tiere werde dabei geflissentlich ignoriert.
Lohmann erinnerte an die Umwelt-Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus, in der Klimaschutz, Artenvielfalt und der achtsame Umgang mit allen Mitgeschöpfen als Kern des christlichen Glaubens genannt werden. Er mahnte konkrete Schritte für einen achtsamen Umgang mit allen Mitgeschöpfen an: „Wir leben in einem gemeinsamen Ökosystem. Wir müssen darauf achten, dass dieses Ökosystem auch in Zukunft stabil ist und Pflanzen, Tiere und Menschen nebeneinander existieren können.“
Die Feier hat nach Ansicht des Vorsitzenden der ACK in Deutschland, Reverend Christopher Easthill, deutlich gemacht: Die Bewahrung der Artenvielfalt, der Schutz des Klimas und der respektvolle Umgang mit Tieren und Pflanzen seien zentrale Aufgaben, die Christinnen und Christen aller Konfessionen nicht allein aus ökologischer, sondern auch aus ihrem Glauben heraus wahrnehmen. Mit der gesamten Veranstaltung sei es gelungen, „einen Diskussionsraum zu eröffnen, in dem unterschiedliche Meinungen zu Tierwohl und Tierethik vorkommen konnten, und gemeinsam nach einem ethisch verantwortbaren, christlich begründeten Umgang mit den Tieren gesucht wird. Damit wurde zugleich deutlich, welche Verantwortung wir als Menschen gegenüber unseren Mitgeschöpfen tragen und wie wichtig es ist, diese Verantwortung im Glauben zu verankern.“
Der Ökumenische Tag der Schöpfung wird seit 2010 jährlich am ersten Freitag im September gefeiert und von der ACK ausgerichtet. Im nächsten Jahr werden die zentralen Feiern des 17. Ökumenischen Tages der Schöpfung am 4. September 2026 in Marburg stattfinden. Internet: https://www.oekumene-ack.de
In den nächsten Wochen bis zum Erntedankfest (5. Oktober) werden im gesamten Bundesgebiet noch zahlreiche Veranstaltungen zur Schöpfungszeit angeboten, auch in Westfalen. So lädt die ökumenische Schöpfungszeit in Soest dazu ein, Glauben, Nachhaltigkeit und gemeinsames Handeln zu verbinden. Sie steht unter dem Motto „Hoffnungsort: Schöpfungszeit 2025 – 5 Wochen das Leben spüren, staunen und gemeinsam wirksam werden“. Diese Zeit will Raum bieten „zum Staunen, Diskutieren, Ausprobieren und Hoffen bieten– getragen von der Überzeugung, dass Veränderung möglich ist, wenn wir gemeinsam handeln“, wie die Veranstalter in Soest mitteilten. Dabei arbeiten Kirche und Umweltinitiativen Hand in Hand. Weitere Informationen unter: Hoffnungsort: Schöpfungszeit 2025 in Soest – KIRCHE+KLIMA und Schöpfungszeit 2025 – CC4F Soest
Foto: ACK / Jens Haverland
Ökumenischer Schöpfungstag zu Tierwohl und Tierethik

Annette Salomo: „Wenn Lebensraum der Tiere zerstört wird, ist auch unser Leben in Gefahr“
Das Zusammenleben von Menschen und Tieren stand beim diesjährigen Ökumenischen Tag der Schöpfung im Mittelpunkt. Die zentrale Eröffnungsfeier der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland fand erstmals in Nordrhein-Westfalen statt. Die gastgebende ACK-NRW hatte dazu auf das Gelände des Landwirtschaftszentrums „Haus Düsse“ der Landwirtschaftskammer NRW eingeladen.
Der diesjährige Schöpfungstag (5. September) rückte den biblischen Psalm „Gott, du hilfst Menschen und Tieren“ (Ps 36,7) in den Mittelpunkt. Es wurde daran erinnert, dass Gott nicht nur die Menschen, sondern alle seine Geschöpfe im Blick hat. Ein Gottesdienst sowie geistliche und programmatische Impulse eröffneten den Dialog über die Rolle der Kirchen als Bewahrerin und Fürsprecherin der Schöpfung. Für die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) nahm Annette Salomo, Mitglied der Kirchenleitung, an den Feierlichkeiten teil.
Zu Wort kamen unterschiedliche Meinungen und Positionen zu Tierwohl und Tierethik. Vertreter*innen verschiedener christlicher Kirchen, der Wissenschaft und Landwirtschaft sowie Gäste aus Politik und Gesellschaft hatten diskutierten gemeinsam. Einen Vortrag „Wen streicheln wir, wen essen wir?“ mit ethischen und theologischen Aspekten rund ums Thema Fleischkonsum hielt der Paderborner Religionslehrer Markus Bürger, der auch am „Institut für theologische Zoologie“ in Münster (ITZ) lehrt.
Tiere müssten als Mitgeschöpfe geachtet werden und ihre Lebensräume bewahrt werden, erklärte Annette Salomo zum Schöpfungstag. „Diese Mitgeschöpflichkeit verpflichtet uns, die Würde und das Leben der Tiere genauso ernst zu nehmen wie das Wohlergehen der Menschen.“ Wenn der Lebensraum der Tiere zerstört werde, „ist auch unser eigenes Leben in Gefahr“, warnte sie.
Salomo beklagte das Abholzen ganzer Regenwälder in Indonesien und Roden großer Waldflächen in Tansania. Tiere würden so vertrieben und keine Nahrung mehr finden, Menschen spürten die Folgen durch Bodenerosion und Klimaveränderungen. „Wir können nur in Gerechtigkeit und Frieden mit Gott leben, wenn wir die Mitgeschöpfe achten, ihre Lebensräume bewahren und unseren eigenen Lebensstil so verändern, dass er nicht auf Kosten anderer Geschöpfe geht“, betonte sie.
Der Münsteraner Weihbischof Rolf Lohmann, Beauftragter für Umwelt- und Klimafragen der Deutschen Bischofskonferenz, sagte in seiner Predigt zum Schöpfungstag: „Bis heute nehmen wir Tiere meist nur als Nutztiere wahr. Ihre Perspektive versuchen wir dabei nur selten einzunehmen.“ Das Wohl der Tiere werde dabei geflissentlich ignoriert.
Lohmann erinnerte an die Umwelt-Enzyklika „Laudato si’“ von Papst Franziskus, in der Klimaschutz, Artenvielfalt und der achtsame Umgang mit allen Mitgeschöpfen als Kern des christlichen Glaubens genannt werden. Er mahnte konkrete Schritte für einen achtsamen Umgang mit allen Mitgeschöpfen an: „Wir leben in einem gemeinsamen Ökosystem. Wir müssen darauf achten, dass dieses Ökosystem auch in Zukunft stabil ist und Pflanzen, Tiere und Menschen nebeneinander existieren können.“
Die Feier hat nach Ansicht des Vorsitzenden der ACK in Deutschland, Reverend Christopher Easthill, deutlich gemacht: Die Bewahrung der Artenvielfalt, der Schutz des Klimas und der respektvolle Umgang mit Tieren und Pflanzen seien zentrale Aufgaben, die Christinnen und Christen aller Konfessionen nicht allein aus ökologischer, sondern auch aus ihrem Glauben heraus wahrnehmen. Mit der gesamten Veranstaltung sei es gelungen, „einen Diskussionsraum zu eröffnen, in dem unterschiedliche Meinungen zu Tierwohl und Tierethik vorkommen konnten, und gemeinsam nach einem ethisch verantwortbaren, christlich begründeten Umgang mit den Tieren gesucht wird. Damit wurde zugleich deutlich, welche Verantwortung wir als Menschen gegenüber unseren Mitgeschöpfen tragen und wie wichtig es ist, diese Verantwortung im Glauben zu verankern.“
Der Ökumenische Tag der Schöpfung wird seit 2010 jährlich am ersten Freitag im September gefeiert und von der ACK ausgerichtet. Im nächsten Jahr werden die zentralen Feiern des 17. Ökumenischen Tages der Schöpfung am 4. September 2026 in Marburg stattfinden. Internet: https://www.oekumene-ack.de
In den nächsten Wochen bis zum Erntedankfest (5. Oktober) werden im gesamten Bundesgebiet noch zahlreiche Veranstaltungen zur Schöpfungszeit angeboten, auch in Westfalen. So lädt die ökumenische Schöpfungszeit in Soest dazu ein, Glauben, Nachhaltigkeit und gemeinsames Handeln zu verbinden. Sie steht unter dem Motto „Hoffnungsort: Schöpfungszeit 2025 – 5 Wochen das Leben spüren, staunen und gemeinsam wirksam werden“. Diese Zeit will Raum bieten „zum Staunen, Diskutieren, Ausprobieren und Hoffen bieten– getragen von der Überzeugung, dass Veränderung möglich ist, wenn wir gemeinsam handeln“, wie die Veranstalter in Soest mitteilten. Dabei arbeiten Kirche und Umweltinitiativen Hand in Hand. Weitere Informationen unter: Hoffnungsort: Schöpfungszeit 2025 in Soest – KIRCHE+KLIMA und Schöpfungszeit 2025 – CC4F Soest
Foto: ACK / Jens Haverland
