Christlicher Nationalismus: Instrumentalisierung des Glaubens für politische Macht

Zum Thema „Christlicher Nationalismus“ informierten sich am 7. Juli zahlreiche Interessierte in der Pauluskirche Dortmund mit dem evangelischen Theologen und Publizisten Prof. Dr. Thorsten Dietz sowie der Theologin und Pfarrerin Dr. Maria Hinsenkamp. Zu dem Vortrags- und Diskussionsabend hatten das oikos-Institut für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Evangelische Bund Westfalen und Lippe eingeladen. Anlass war die Veröffentlichung des gemeinsamen Buches der beiden Referierenden „Christlicher Nationalismus in den USA“.

Thorsten Dietz ordnete den christlichen Nationalismus zunächst in den weltweiten Aufstieg autoritärer Bewegungen ein. Autoritäre Politik, so seine Analyse, strebe nach gesellschaftlicher Homogenität und arbeite mit der Unterscheidung zwischen „innen“ und „außen“ sowie „Freunden“ und „Feinden“. Religion könne dabei sowohl tragende Kraft als auch Legitimationsmittel sein, indem politische Ordnungen als göttlich gewollt dargestellt würden.

Dietz machte deutlich, dass christlicher Nationalismus nicht mit konservativem Christsein oder politischem Engagement von Christinnen und Christen gleichzusetzen sei. Kennzeichnend seien vielmehr die Vorstellung einer göttlich berufenen Nation, die Deutung von Politik als geistlichem Kampf, die Ablehnung gesellschaftlicher und religiöser Pluralität sowie das Ziel, eine vermeintlich göttliche Ordnung politisch wiederherzustellen.

Anhand der Entwicklung in den USA zeigte Dietz auf, wie sich seit den 1970er Jahren unterschiedliche Strömungen der christlichen Rechten politisch organisiert hätten. Mit der Präsidentschaft Donald Trumps habe sich diese Entwicklung deutlich zugespitzt. Dabei gehe es weniger um ein einheitliches politisches Programm als um gemeinsame (falsche) Narrative, etwa die Vorstellung, die USA seien ursprünglich als christliche Nation gegründet worden. Hinzu kämen ein ausgeprägter Dualismus zwischen „Gut“ und „Böse“, autoritäres Ordnungsdenken sowie die Ablehnung von Abtreibung, Feminismus, queeren Lebensformen und Migration.

Maria Hinsenkamp stellte aktuelle Entwicklungen innerhalb internationaler charismatischer Netzwerke vor. Am Beispiel der sogenannten „Kingdom-minded Network Christianity“ (KiNC) erläuterte sie, wie Vorstellungen vom Reich Gottes, Gebet, Jüngerschaft,  Erweckung und Mission sowie konfessionsübergreifende Vernetzung miteinander verbunden werden. Diese Elemente seien für sich genommen nicht zwangsläufig Ausdruck christlichen Nationalismus. In ihrer Verbindung, sie verwendete das Bild des KiNC-Cocktail, fördern sie jedoch politische Deutungsmuster, die gesellschaftliche Konflikte als geistlichen Kampf interpretieren und politische Entwicklungen heilsgeschichtlich aufladen. Es wird ein Reich-Gottes-Verständnis postuliert, dessen Ziel die Herrschaft Gottes in allen individuellen und gesellschaftlichen Lebensbereichen ist. Aufgrund der sehr agilen Netzwerkstruktur von der KiNC breiten sich diese Ideen schnell in verschiedenen Konfessionen aus und es bildet sich eine „Visionsökumene“.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass das Thema viele Fragen aufwirft – nicht nur im Blick auf die USA, sondern auch hinsichtlich entsprechender Entwicklungen in Europa.

Beim anschließenden Empfang nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit, das Gespräch mit den Referierenden fortzusetzen und die angesprochenen Fragestellungen zu vertiefen.

Fotos: oikos-Institut

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Christlicher Nationalismus: Instrumentalisierung des Glaubens für politische Macht

Zum Thema „Christlicher Nationalismus“ informierten sich am 7. Juli zahlreiche Interessierte in der Pauluskirche Dortmund mit dem evangelischen Theologen und Publizisten Prof. Dr. Thorsten Dietz sowie der Theologin und Pfarrerin Dr. Maria Hinsenkamp. Zu dem Vortrags- und Diskussionsabend hatten das oikos-Institut für Mission und Ökumene der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Evangelische Bund Westfalen und Lippe eingeladen. Anlass war die Veröffentlichung des gemeinsamen Buches der beiden Referierenden „Christlicher Nationalismus in den USA“.

Thorsten Dietz ordnete den christlichen Nationalismus zunächst in den weltweiten Aufstieg autoritärer Bewegungen ein. Autoritäre Politik, so seine Analyse, strebe nach gesellschaftlicher Homogenität und arbeite mit der Unterscheidung zwischen „innen“ und „außen“ sowie „Freunden“ und „Feinden“. Religion könne dabei sowohl tragende Kraft als auch Legitimationsmittel sein, indem politische Ordnungen als göttlich gewollt dargestellt würden.

Dietz machte deutlich, dass christlicher Nationalismus nicht mit konservativem Christsein oder politischem Engagement von Christinnen und Christen gleichzusetzen sei. Kennzeichnend seien vielmehr die Vorstellung einer göttlich berufenen Nation, die Deutung von Politik als geistlichem Kampf, die Ablehnung gesellschaftlicher und religiöser Pluralität sowie das Ziel, eine vermeintlich göttliche Ordnung politisch wiederherzustellen.

Anhand der Entwicklung in den USA zeigte Dietz auf, wie sich seit den 1970er Jahren unterschiedliche Strömungen der christlichen Rechten politisch organisiert hätten. Mit der Präsidentschaft Donald Trumps habe sich diese Entwicklung deutlich zugespitzt. Dabei gehe es weniger um ein einheitliches politisches Programm als um gemeinsame (falsche) Narrative, etwa die Vorstellung, die USA seien ursprünglich als christliche Nation gegründet worden. Hinzu kämen ein ausgeprägter Dualismus zwischen „Gut“ und „Böse“, autoritäres Ordnungsdenken sowie die Ablehnung von Abtreibung, Feminismus, queeren Lebensformen und Migration.

Maria Hinsenkamp stellte aktuelle Entwicklungen innerhalb internationaler charismatischer Netzwerke vor. Am Beispiel der sogenannten „Kingdom-minded Network Christianity“ (KiNC) erläuterte sie, wie Vorstellungen vom Reich Gottes, Gebet, Jüngerschaft,  Erweckung und Mission sowie konfessionsübergreifende Vernetzung miteinander verbunden werden. Diese Elemente seien für sich genommen nicht zwangsläufig Ausdruck christlichen Nationalismus. In ihrer Verbindung, sie verwendete das Bild des KiNC-Cocktail, fördern sie jedoch politische Deutungsmuster, die gesellschaftliche Konflikte als geistlichen Kampf interpretieren und politische Entwicklungen heilsgeschichtlich aufladen. Es wird ein Reich-Gottes-Verständnis postuliert, dessen Ziel die Herrschaft Gottes in allen individuellen und gesellschaftlichen Lebensbereichen ist. Aufgrund der sehr agilen Netzwerkstruktur von der KiNC breiten sich diese Ideen schnell in verschiedenen Konfessionen aus und es bildet sich eine „Visionsökumene“.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass das Thema viele Fragen aufwirft – nicht nur im Blick auf die USA, sondern auch hinsichtlich entsprechender Entwicklungen in Europa.

Beim anschließenden Empfang nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit, das Gespräch mit den Referierenden fortzusetzen und die angesprochenen Fragestellungen zu vertiefen.

Fotos: oikos-Institut

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