Wasserstoff und Globale Gerechtigkeit

Grüner Wasserstoff – Chance oder Risiko für Länder des Globalen Südens?

Grüner Wasserstoff wird mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt und ist unverzichtbar für die Erreichung unserer Klimaziele. Er kann in der Stahlproduktion die Verbrennung von Koks ersetzen, als Grundstoff in der Chemieindustrie dienen oder im Flug- und Schiffsverkehr als klimaschonender Treibstoff zum Einsatz kommen. Deutschland kann nur einen Teil des Grünen Wasserstoff für seine Industrie im eigenen Land erzeugen und ist auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Für den Export infrage kommen dabei Länder, in denen die Sonne viel scheint und der Wind zuverlässig weht – also auch viele Länder im Globalen Süden wie etwa Namibia, Südafrika, Chile oder die DR Kongo. Auch die Nähe zu Europa ist relevant, was z.B. Marokko interessant macht. Die Wirtschaftsbeziehungen sind gerade erst im Aufbau, Partnerschaften und Abkommen werden geschlossen. Gleichzeitig entwickeln Länder im Globalen Süden eigene Wasserstoffstrategien.

Bei den Wasserstoffimporten aus dem Globalen Süden besteht die Gefahr, dass unfaire Abhängigkeitsmuster wiederholt werden und die Bevölkerung unter negativen Folgen der Wasserstoffproduktion leidet. Da die Projekte viel Fläche beanspruchen, könnten Menschen von ihrem Land vertrieben werden und Artenvielfalt verloren gehen. Der hohe Wasserbedarf in der Produktion kann zu Wasserknappheit in den meist ohnehin wasserarmen Regionen führen. Riesige finanzielle Investitionen können ohnehin schon verschuldete Staaten in neue Schuldenfallen locken. Das wäre ungerecht und widerspricht den Grundsätzen einer Wirtschaft, die die Menschenwürde achtet und die Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen ins Zentrum stellt.

Die geschilderten Folgen sind möglich, aber auch nicht zwingend und es stehen ihnen zugleich Chancen für Exportländer gegenüber: Wenn für die Projekte z.B. Meerwasserentsalzungsanlagen gebaut werden, könnten sie die Bevölkerung in der Region zugleich mit Trinkwasser versorgen. Wenn große Windparks oder Solaranlagen gebaut werden, kann ein Teil davon ins lokale Stromnetz einfließen und die Stromversorgung vor Ort verbessern. Auch der Aufbau eigener weiterverarbeitender Industrien lässt sich anschließen, so dass Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten entstehen. Besonders wichtig ist dabei, dass Menschen vor Ort frühzeitig eingebunden werden: Menschen, deren Traditionen, Lebens- und Wirtschaftsweisen mit dem Land verbunden sind, sowie lokale Experten für Naturschutz und Menschenrechte. Wichtig ist auch, dass Sicherheit über die Abnahme des produzierten Wasserstoffs hergestellt wird, damit Investitionen nicht ins Leere laufen. Da derzeit Unsicherheiten bestehen, wie sich der Markt in Zukunft entwickelt, liegen aktuell einige Pläne und Investitionen auf Eis.

Die Projektstelle „Wasserstoff und Globale Gerechtigkeit“ zeigt Chancen und Risiken der Wasserstoffproduktion in Ländern des Globalen Südens auf. Sie führt Dialog mit Partnern im Globalen Süden sowie mit Politik und Unternehmen dazu, wie Wasserstoffimporte nachhaltig werden können und Menschen in Ländern des Globalen Südens Vorteile aus Wasserstoffprojekten und dem Aufbau weiterverarbeitender Industrie ziehen können.

Die Projektstelle wird durch Brot für die Welt gefördert.

Kontakt

  • Eva Maria Reinwald

  • 0231 5409-89

  • Projektstelle „Wasserstoff und globale Gerechtigkeit“