Glaube trifft Verantwortung – die 17 Nachhaltigkeitsziele und die Bibel

Mit der Andachtsreihe „Glaube trifft Verantwortung“ haben wir uns auf den Weg gemacht, biblische Texte mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) zu verbinden – gegen Armut und Ungleichheit und für Klimagerechtigkeit, Frieden und Solidarität.

Die Reihe ist aus der Überzeugung entstanden, dass christlicher Glaube beides umfasst: Gebet und Handeln, Vertrauen auf Gott und Verantwortung für Mitmenschen und Schöpfung. Oder mit Martin Luther gesprochen: „Man muss beten, als ob alles Arbeiten nicht nützt, und arbeiten, als ob alles Beten nichts nützt.“

In insgesamt 17 Impulsen wurde jeweils ein SDG aufgegriffen und mit biblischen Perspektiven verknüpft. So wurde sichtbar, wie Fragen nach Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung und weltweiter Solidarität tief im christlichen Glauben verankert sind – und heute aktueller denn je.

Die Andachten lassen sich auch über die ursprüngliche Reihe hinaus nutzen:

  • als kurze persönliche Andacht
  • als Gesprächsanstoß in Gruppen oder Gemeinden
  • als Inspiration für nachhaltiges Engagement im Alltag und in kirchlichen Kontexten

Danke an alle, die die Reihe verfolgt, begleitet und geteilt haben. In diesem Beitrag findet ihr alle Andachten gesammelt – zum Nachlesen, Weitergeben und Neu-Entdecken. Die komplette Andachtsreihe steht außerdem als PDF zum Download bereit.

Glaube trifft Verantwortung

„Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaff dem Bedürftigen und Armen Recht!“
(Einheitsübersetzung, Sprüche 31,8–9)

648 Millionen Menschen leben weltweit in extremer Armut. Menschen, die keinen Zugang zu grundlegenden Bedürfnissen haben. Das erste UN-Nachhaltigkeitsziel will „Armut in all ihren Formen und überall beenden“. Was sagt die Bibel dazu?

In Sprüche 31,8-9 steht eine klare Ansage von der Mutter eines Königs – eine Frau, die die Situation erkennt und ihrem mächtigen Sohn Verantwortung einschärft. „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaff dem Bedürftigen und Armen Recht!“ (Einheitsübersetzung)

Armut ist kein Schicksal, sondern Ergebnis ungerechter Strukturen. Systeme und Machtpositionen tragen Verantwortung. Die Bibel fordert aktives Handeln für Gerechtigkeit! Es geht nicht um Wohltätigkeit, sondern darum, Systeme zu ändern, die Menschen stumm, schwach und arm machen. Den Mund öffnen bedeutet, Ungerechtigkeiten beim Namen zu nennen und für eine Welt und Systeme zu kämpfen, in der Ressourcen und Macht fair verteilt sind. Nur so kann Armut beseitigt werden.

„Als der Hunger das ganze Land erfasst hatte, ließ Josef die Kornspeicher öffnen. Er versorgte Ägypten mit Getreide, denn es wurde von der Hungersnot geplagt.“
(1. Mose 41,56)

Hunger ist seit jeher ein drängendes Thema. In jeder Epoche war Hunger die Ursache für große Migrationsbewegungen, Kriege und unermessliches Leid.
Auch die Bibel erzählt zahlreiche Geschichten des Hungers. Eine davon ist zentrales Element der Josefgeschichte. Gott hatte Josef die Zeichen deuten lassen, die auf die Hungersnot hinwiesen. Und Josef hatte, im Auftrag der Regierung, vorausschauend gehandelt:
Als der Hunger das ganze Land erfasst hatte, ließ Josef die Kornspeicher öffnen. Er versorgte Ägypten mit Getreide, denn es wurde von der Hungersnot geplagt. 1.Mose 41,56

Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern, ist das zweite Nachhaltigkeitsziel der UN. Rund 735 Mio. Menschen leiden chronischen Hunger. Bei wachsender Weltbevölkerung und zunehmenden globalen Krisen scheint das Ziel, den Hunger abzuschaffen, utopisch. Dabei sind wir mindestens genau so gut ausgestattet, wie Josef damals. Wir kennen die Zeichen und können sie deuten. Wir haben Ressourcen und Methoden, die besser geeignet sind, als die Kornspeicher. Eine groß angelegte Studie der „Eat Lancet Kommission“ hatte den Auftrag, einen Plan zu entwickeln, um die Welt zu ernähren. Und tatsächlich: Ihre Planetary Health Diet zeigt, wie sogar 10 Milliarden Menschen satt werden können.

Sicherlich gehört dazu sowohl das Handeln der Regierung, als auch das ändern individueller Gewohnheiten. Doch das Ergebnis ist wie so oft, wenn wir uns der Bibel gemäß einsetzen: Es dient beiden Seiten. Die einen können sich ernähren, die anderen leben gesünder. Und beide werden plötzlich zu Geschwistern der Familie Mensch.

Mehr dazu:

Planetary Health Diet (BZfE)

„Ich bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben – Leben im Überfluss.“
(Johannes 10,10)

Das dritte UN-Nachhaltigkeitsziel benennt Gesundheit und Wohlergehen für alle Menschen. Wer wünscht sich das nicht. Aber es geht um Gesundheit und Wohlergehen für ALLE. Dazu gehört der Zugang zu guter medizinischer Versorgung, zu Medikamenten, die gebraucht werden, zu gesunder Ernährung, sauberem Wasser und guter Luft.

Jesus sagte: „Ich bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss..“ (Johannes 10,10) Das ist Gottes Verheißung. Das dritte Nachhaltigkeitsziel knüpft inhaltlich daran an. Wer Jesus nachfolgt, sollte mit daran arbeiten, dass jeder Mensch etwas von dieser Verheißung erleben kann. Hoffnungslichter im Namen Jesu können wir schon hier anzünden.

Gesundheit für ALLE meint dabei gerade auch die, die nicht so privilegiert sind wie wir. Die Covid-19-Pandemie hat uns gezeigt, wie schnell reiche Länder bei knappen Ressourcen bevorzugt werden. Gerade daraus soll gelernt werden, es bei weiteren Pandemien anders zu machen. Aber nicht nur in Pandemiezeiten, sondern auch sonst ist es wichtig, die Versorgung mit Medikamenten und ärztlicher Infrastruktur gerechter zu verteilen. Täglich sterben rund 14000 Kleinkinder. Gründe sind häufig Infektionskrankheiten, die mit wenig Geld heilbar wären. 39 % der Weltbevölkerung leben ohne Krankenversicherung, in den Entwicklungsländern sind es sogar mehr als 90%.
Wie können wir das tun?

  • Für gerechte Verteilung lebensrettender Medikamente und medizinischer Infrastruktur eintreten,
  • daran erinnern: Für Gott sind alle Menschen gleich.

Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass jeder Mensch Zugang zu dem hat, was zum Leben gehört: gesunde Ernährung, sauberes Wasser, gute Luft und medizinische Versorgung.

„Erwirb dir Weisheit, Bildung und Einsicht! So bleibst du bei der Wahrheit, verkauf sie nicht!“
(Sprüche 23,23 – BasisBibel)

„Das ist neu, das ist neu. Hurra, hurra, die Schule brennt.“ Ich habe dieses Lied der Band Extrabreit bei meinem Schulabschluss laut mitgesungen. Aber eben am letzten Schultag. Und gebrannt hat damals keine Schule. Ein Problem ist in vielen Ländern: Es gibt keine Schulen, die brennen könnten. Darum heißt das vierte Nachhaltigkeitsziel der UN: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.

In Deutschland haben wir eine Schulpflicht. Dennoch gibt es über 6 Millionen Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Und noch viel mehr, die Schwierigkeiten haben, den Sinn eines längeren Textes zu verstehen. Betroffen sind davon vor allem Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. International haben weltweit 244 Millionen Kinder keine Möglichkeit eine Schule zu besuchen.

„Erwirb dir Weisheit, Bildung und Einsicht! So bleibst du bei der Wahrheit, verkauf sie nicht! heißt es in Sprüche 23,23 (BasisBibel). In diesem Sinn formulierte die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai an ihrem 16. Geburtstag: „Bücher und Stifte sind unsere wirksamsten Waffen. Ein Kind, ein Lehrer, ein Stift und ein Buch können die Welt verändern. Bildung ist die einzige Lösung. Bildung steht am Anfang von allem.“ Das gilt weltweit und auch in Deutschland. Viele Gemeinden und andere Organisationen geben Hausaufgabenhilfen und versuchen für die da zu sein, die durch unser Schulraster fallen. Vielleicht auch in deiner Nähe?

„Es spielt keine Rolle mehr, ob ihr Juden seid oder Griechen, Sklaven oder freie Menschen, Männer oder Frauen. Denn durch eure Verbindung mit Christus Jesus seid ihr alle wie ein Mensch geworden.“
(Galater 3,28)

Stellen wir uns vor, wir müssten Gesellschaftsregeln festlegen – ohne zu wissen, welchem Geschlecht wir angehören werden. Wir wüssten nichts über unsere Rolle oder Stellung – nur, dass wir Teil dieser Gesellschaft sein werden. Würden wir dann nicht darauf achten, dass Rechte und Chancen gerecht verteilt sind – unabhängig vom Geschlecht?

Doch von der Idee hinter dem Gedankenexperiment des Philosophen John Rawls sind wir weit entfernt: Weltweit entscheiden Geschlechterrollen und strukturelle Machtverhältnisse über Chancen, Rechte und Sicherheit. Frauen und Mädchen haben oft schlechteren Zugang zu Bildung, verdienen weniger, leisten unbezahlte Sorgearbeit und können nicht frei über ihren Körper und ihr Leben bestimmen. Sie sind überproportional von Gewalt und Armut betroffen.
Das 5. Nachhaltigkeitsziel fordert daher die Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung aller Frauen und Mädchen.

Im Galaterbrief heißt es: „Es spielt keine Rolle mehr, ob ihr Juden seid oder Griechen, Sklaven oder freie Menschen, Männer oder Frauen. Denn durch eure Verbindung mit Christus Jesus seid ihr alle wie ein Mensch geworden.“ (Galater 3,28). Paulus beschreibt eine Vision von Gemeinschaft, in der Unterschiede nicht zu Ungleichheit führen. Die Hierarchien bleiben zwar bestehen, doch bei Gott herrscht eine radikale Gleichheit – getragen von Würde, Freiheit und Zusammengehörigkeit. Jede*r ist gleich wichtig. Als Christ*innen sind wir eingeladen, diesen Einsatz für Gerechtigkeit als Teil unseres Glaubens zu verstehen. Denn dort, wo alle eins sind in Christus, kann kein Platz für Ungleichheit und Diskriminierung sein.

„Ich will Wasserbäche auf den Höhen öffnen und Quellen inmitten der Täler.“
(Jesaja 41,18a)

Um einen Felsen an einem Berghang in Kenia hat eine lokale Baufirma aus Steinen eine Rinne gemauert. Bei Regen leitet sie das Wasser, das auf den Stein prasselt, durch einen Filter in einen 75.000 Liter Tank. Dieser speist eine Wasserstelle am Fuße des Berges – dem Anlaufpunkt für die Bewohner des dortigen Dorfes.

Ich will Wasserbäche auf den Höhen öffnen und Quellen inmitten der Täler. Jesaja 41,18a
Der Prophet Jesaja kündigt in den klangvollen Worten Gottes heilendes Handeln für sein Volk an. Er spricht ihnen Mut zu und benutzt Bilder, die seinen Zeitgenossen vertraut sind. Eine Erfahrung, die für Agnes Irima und andere Bewohner des Dorfes an diesem Felsen nordöstlich des Mount Kenya Realität geworden ist. Denn anstatt täglich sieben km zum Wasser zu laufen, gehen sie nur einige Meter und gewinnen fünf Stunden Zeit, um ihre Häuser zu bewirtschaften.

Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten lautet das 6. Ziel der SDG´s. Es betrifft mindestens zwei Milliarden Menschen weltweit, die aufgrund von unzureichender Wasserversorgung an Krankheiten und Armut leiden. An Dürre leiden wir auch in unserem äußerst wohlhabenden Umfeld. Vielleicht nicht so sehr am Leib, sondern an der Seele. Worte, wie sie Jesaja ausspricht, können Mut machen. Denn wenn wir uns, wie hier beschrieben, an Heilsgeschichten beteiligen und von kargen Höhen letztlich Wasserbäche fließen, dann werden Körper und Seelen gesund. In Kenia, in Deutschland und anderswo.

Mehr zum Projekt:

Projekt „Kenia – Wasser“ (Brot für die Welt)

„Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.“
(1. Mose 1,3)

Ich kann diesen Text gut mit meinem Handy versenden, weil es über Nacht aufgeladenen wurde. Mein Kaffeevollautomat hat mir ein Heißgetränk zubereitet, damit ich das Schreiben einigermaßen wach hinbekomme. Währenddessen bereiten Eierkocher und Toaster weitere Teile meines Frühstücks vor. Der Strom dazu kommt selbstverständlich aus der Steckdose.

Klar weiß ich, dass ich privilegiert bin. Dass aber drei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberen Kochmöglichkeiten haben und etwas weniger als eine Milliarde Menschen ohne Elektrizität leben, wusste ich auch nicht. Darum lautet das siebte Nachhaltigkeitsziel der UN: Einen Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern. Dabei ist es wichtig, sich von fossilen Brennstoffen zu lösen und erneuerbare Energien zu fördern. Auch bei uns.

Das Wort Energie sucht man in der Bibel vergeblich. Aber letztlich beginnt sie mit Energie: Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. (1. Mose 1,3). Am vierten Schöpfungstag wurden Sonne, Mond und Sterne als „Lichtmittel“ erschaffen. Vielleicht ist heute ein besonders passender Tag, an dieses Ziel Energie für alle zu denken und für die Durchsetzung zu beten. Denn dieser 21. Juni 2025 ist auf der Nordhalbkugel der längste Tag des Jahres. Um 4.41 Uhr war der kalendarische Sommeranfang. Und auch wenn von heute an die Tage wieder kürzer werden, dürfen wir getrost wissen, dass Gott die eine Energiequelle für alle ist.

„Sie werden sich Häuser bauen und auch darin wohnen können. Sie werden Weinberge pflanzen und selbst den Ertrag genießen. … Alt wie Bäume sollen sie werden, die Menschen in meinem Volk, und den Lohn ihrer Arbeit selbst genießen!“
(Jesaja 65,21–22)

Es ist heiß. Die Luft steht. Die Nähmaschinen rattern, es dröhnt in ihren Ohren. Im Licht der flackernden Halogenlampe erfüllt sie gehorsam im Akkord ihre Arbeit. Während sie kontinuierlich immer wieder die gleiche Naht näht, denkt sie darüber nach, wie sie von dem geringen Lohn ihre Miete zahlen soll. Ihre Tochter braucht Bücher und neue Kleidung für die Schule, seit Tagen gibt es nur Reis, ihr Rücken schmerzt. So wie ihr geht es vielen Näher*innen. So wie ihr geht es 58% aller Menschen weltweit, die in unsicheren Jobs ohne feste Verträge und Sozialversicherung arbeiten.

Sie werden sich Häuser bauen und auch darin wohnen können. Sie werden Weinberge pflanzen und selbst den Ertrag genießen. Sie sollen nicht bauen und pflanzen und sich lebenslang mühen, nur damit andere den Gewinn davon haben. Alt wie Bäume sollen sie werden, die Menschen in meinem Volk, und den Lohn ihrer Arbeit selbst genießen! – Jesaja 65,21-22

Während die Nadel der Nähmaschine weiter in den Stoff sticht, träumt sie von dieser Verheißung.

Auch das 8. UN-Nachhaltigkeitsziel strebt dieser Vision entgegen und fordert menschenwürdige Arbeit und nachhaltiges Wirtschaftswachstum für alle.

Als Glaubende sind wir Teil von Gottes Heilsplan für eine gerechtere Welt. Wir dürfen an Gottes Vision mitwirken. Und es geschieht bereits: Die Kampagne für @sauberekleidung tritt in einem internationalen Netzwerk gemeinsam mit Näher*innen weltweit gegen Arbeitsrecht- und Menschenrechtsverletzungen in der Textilindustrie ein – und man kann sich anschließen. Durch unser Handeln können wir Zeichen setzen von Gottes Gerechtigkeit – damit Jesajas Verheißung für alle Menschen Realität wird, die mit ihren Händen schaffen.

Mehr Informationen:

„Dann bauen sie die Stätten wieder auf, die seit Langem in Trümmern liegen. Die zerstörten Wohnorte ihrer Vorfahren stellen sie wieder her. Sie erneuern die verwüsteten Städte, die seit Generationen verödet waren.“
(Jesaja 61,4 – BasisBibel)

Dann bauen sie die Stätten wieder auf, die seit Langem in Trümmern liegen. Die zerstörten Wohnorte ihrer Vorfahren stellen sie wieder her. Sie erneuern die verwüsteten Städte, die seit Generationen verödet waren. (Jesaja 61,4 – BasisBibel) Dieser Vers richtet sich an ein Volk, das Zerstörung und Rückschläge erlebt hat – und dennoch nicht aufgeben soll und wird. Stattdessen heißt es: Aufbauen – Herstellen – Erneuern.

Auch heute stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen: zerstörte Lebensräume durch Klimawandel und Kriege, schlechte Verkehrswege in armen Regionen, ungerechte Wirtschaftsverhältnisse. Daran zu arbeiten ist Ziel des UN-Nachhaltigkeitsziels 9: funktionierende Infrastrukturen schaffen, nachhaltige Industrien aufbauen und Innovation fördern. Straßen, Strom, Internet, sauberes Wasser – all das sind keine Selbstverständlichkeiten, aber Voraussetzungen für ein gutes und sicheres Leben. Ohne sie gibt es keine gerechte Teilhabe, keine Bildung, keine Gesundheitsversorgung. Gerade die Anbindung an das Internet ist heute ein entscheidender Faktor. Schätzungen sagen, dass noch 33% der Weltbevölkerung (ca. 2,6 Milliarden Menschen) offline sind.

Jesaja erinnert uns: Wir sind Teil einer größeren Geschichte. Wir bauen nicht nur für uns, sondern auch für kommende Generationen. Damit dies nicht nur eine schöne Formulierung bleibt, erinnert Nelson Mandela: „Vision ohne Handlung ist nur ein Traum. Handlung ohne Vision ist nur Zeitvertreib. Vision mit Handlung kann die Welt verändern.“ Wie zur Zeit Jesajas traut Gott es heute Menschen zu, Trümmer in Hoffnung zu verwandeln. Wenn wir an einer besseren Welt bauen, dann tun wir das nicht allein. Unser Tun ist kein rein menschliches Mühen, sondern Mithandeln am Werk Gottes, der durch Menschen wirkt – durch Herz, Verstand und Hände.

„Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“
„Heute ist diesem Hause Heil widerfahren.“

(Lukas 19,8)

Das reichste 1% der Weltbevölkerung besitzt 45% des globalen Vermögens. Die reichsten 10% sogar 83% des gesamten Vermögens. Wenn ich solche Zahlen lese, möchte ich sofort aufschreien. Das kann doch nicht wahr sein! Gegen diese Ungerechtigkeit muss etwas getan werden!
Doch beim zweiten Blick auf die Statistik fällt mir auf, dass es leichter ist, das zu fordern, als umzusetzen. Denn ab 100.000€ Besitz oder Vermögen gehört man zu den reichsten 10%.
Plötzlich bin ich mittendrin.

Weniger Ungleichheit lautet das 10. UN Ziel der #SDG´s. Es geht darum, die extreme Ungleichheit innerhalb und zwischen Ländern der Welt zu verringern und die Güter gerechter zu verteilen.
Beim genauen Blick in die Statistik merke ich, wie gut es mir relativ gesehen geht, wie wenig davon auf meine eigene Leistung zurückzuführen ist und das es nur gerecht ist, wenn ich einen Teil meines Besitzes abgebe.

Zachäus sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren. Lk 19,8
Die oben beschriebenen Zusammenhänge zeigen mir, dass ich Zachäus näher bin, als bisher gedacht. Eng verbunden mit den Mächtigen der Welt, oft auf den eigenen Vorteil bedacht und profitierend von einem ungerechten Systems.
Doch es gibt auch eine gute Nachricht:
Jesus ist nicht weit. Genau wie bei Zachäus, lädt er sich auch bei mir ein. Vielleicht lasse ich mich darauf ein und erlebe, wie auch ich neu Teil einer Heilsgeschichte sein kann.

„Seid um das Wohl der Städte besorgt, in die ich euch verbannt habe, und betet für sie! Denn wenn es ihnen gut geht, dann geht es auch euch gut.“
(Jeremia 29,7 – Gute Nachricht)

Lebst Du auf dem Land oder in einer Stadt?
Weltweit betrachtet ist die Chance fifty-fifty. 2050 werden vermutlich drei von vier Menschen in der Stadt leben.
Aber wie lebt es sich dort? Selbst bei uns merken wir, wie die Mieten und Preise steigen. Es ist gar nicht so einfach, eine Wohnung zu finden bzw. bezahlen zu können. In vielen Ländern des globalen Südens leben über 50 % der städtischen Bevölkerung in Slums. Bei uns in Deutschland gehen wir von knapp einer halben Millionen Menschen ohne Wohnung aus.

Das 11. Nachhaltigkeitsziel betont, das Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestaltet werden sollen.

Der Prophet Jeremia ließ den Menschen des Volkes Gottes in für sie schwierigen Zeiten sagen: „Seid um das Wohl der Städte besorgt, in die ich euch verbannt habe, und betet für sie! Denn wenn es ihnen gut geht, dann geht es auch euch gut.“ (Jer 29,7 Gute Nachricht)

Für „Wohl“ und „gut gehen“ stehen dort im hebräischen Grundtext immer Formen des Wortes Shalom. Shalom ist mehr als ein Waffenstillstand, Shalom bedeutet: Etwas mehr, als das, was notwendig ist. Shalom ist dieses: „Es geht mir richtig gut!“

Gottes Auftrag für uns also: Tut für das Wohlergehen Eurer Wohnorte, was ihr könnt. Was kann das heute heißen: Setzt Euch ein für funktionierenden Nahverkehr – besonders auch auf dem Land. Setzt Euch ein für bezahlbares Wohnen. Seid dabei, wenn es um Stadtplanung und Verbesserung der Infrastruktur und Erweiterung der Oasen in den Städten geht.

„Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.“
(Johannes 6,12)

Ein Schuhversand behauptet, wir würden vor Glück schreien, wenn wir ihre Pakete erhalten, ein Elektronikmarkt sagt, man kaufe sich bei ihnen glücklich und chinesische Versandhäuser behaupten, man könne shoppen, wie Milliardäre. Werbung handelt nicht mit Produkten, sondern mit unseren Sehnsüchten nach Gesundheit, Liebe, Zugehörigkeit und Glück. Dabei erzeugt der Überfluss häufig eher das Gegenteil.

Es war ein Moment des Überflusses, von dem in Johannes 6 erzählt wird. Mehr als 5.000 Menschen wurden satt. Und nicht nur das: überall lagen noch Brotstücke herum. Es schien keinen Grund zu geben, sich je wieder Gedanken um Verpflegung zu machen: Jesus hatte bewiesen, dass er Brot vermehren kann. Einige wollten ihn gleich zum König machen. Auf Dauer im Überfluss leben – welche eine Aussicht! Doch Jesus hat eine andere Anweisung:
“Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.“ Joh 6,12. Ein bemerkenswerter Satz, der deutlich macht, dass es Jesus nicht um Masse geht, sondern um den achtsamen und dankbaren Umgang. Gerade in guten Zeiten.

Nachhaltiger Konsum und Produktion ist das 12. Ziel der SDG´s. Nachhaltigkeit hat seinen Preis. Oft erschrecken wir, wenn wir den mit Billigprodukten vergleichen. Dabei hilft uns auch das, die Dinge wertzuschätzen. So schmeißen wir weniger weg, teilen und leihen mehr. Nachhaltige Produkte mit fairen Löhnen, weniger Masse, weniger Müll und mehr Dingen, die in Gemeinschaft geteilt werden. All das entsteht, wenn wir das 12. Nachhaltigkeitsziel umsetzen. Und es spricht einiges dafür, dass uns das glücklicher macht als das nächste Schuhpaket an unserer Tür.

„Ich aber, ich schließe meinen Bund mit euch und euren Nachkommen und allen Lebewesen bei euch […]. Nie wieder soll eine Sintflut alles Leben ausrotten! Nie wieder soll eine Sintflut die Erde vernichten!“
(1. Mose 9)

Damals zur Zeit Noahs lebten die Menschen, als gehöre ihnen die Welt: sie vergaßen, dass die Erde ein Geschenk Gottes war und ließen Gewalt an Menschen, Tieren und Pflanzen zu.
Und Gott schickte zur Bestrafung eine Flut. Ein Regen, der alles mit sich riss und das Leben auf der Erde fast vollends vernichtete.

Doch Noah hörte auf Gott. Er baute eine Arche und rettete Leben. Und Gott versprach: „Ich aber, ich schließe meinen Bund mit euch und euren Nachkommen und allen Lebewesen bei euch […]. Nie wieder soll eine Sintflut alles Leben ausrotten! Nie wieder soll eine Sintflut die Erde vernichten!“

Ein Regenbogen wurde das Zeichen für Gottes Bund mit seiner Schöpfung.

Heute steigt das Wasser wieder. Doch nicht als Strafe Gottes, sondern durch menschliches Handeln. Wir sind gierig nach den Ressourcen der Erde. Wir verbrennen, zerstören, verdrängen. Wir bringen das Klima unaufhaltsam und irreversibel aus dem Gleichgewicht.
Und wieder sterben Tiere, Menschen verlieren ihre Heimat und unsere Lebensgrundlage schwindet – durch Dürren, Stürme und Fluten.

Aber auch heute haben wir die Chance, Noahs zu sein. SDG 13 fordert umgehende Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seine Auswirkungen. Wir können handeln, bevor es zu spät ist. Und wie Noah bauen. Nicht aus Holz, sondern Hoffnung. Aus Solarzellen, aus Bildung, aus Protest, aus Glauben. Der Einsatz zum Schutz des Klimas kann heute unsere Arche sein. Lasst sie uns gemeinsam bauen.
Für uns und unsere Nachkommen und alle Lebewesen, die mit uns sind. Gottes Regenbogen wird uns an sein Versprechen erinnern und uns ermutigen.

„Da ist das Meer, so groß und unermesslich weit. Dort wimmelt es von Lebewesen ohne Zahl – von kleinen und großen Meerestieren.“
(Psalm 104,25)

„Da ist das Meer, so groß und unermesslich weit. Dort wimmelt es von Lebewesen ohne Zahl – von kleinen und großen Meerestieren.“ Psalm 104, 25

Wer schon mal am Meer gestanden und auf diese unendliche Weite geblickt hat, kennt das Gefühl: Ehrfurcht vor etwas Größerem. Wer beim Schnorcheln oder Tauchen die unfassbare Vielfalt unter Wasser erlebt hat, versteht den Psalmisten: Das Meer als pulsierender Lebensraum voller Wunder – ein Geschenk, das uns staunen lässt. Dieser Lebensraum ist aber gleichzeitig brutal bedroht.

In der Ausstellung „Planet Ozean“ im Gasometer Oberhausen erlebte ich diese Ambivalenz: Da tanzt ein Harlekin-Oktopus durch die Lagune, gibt es Blickkontakt mit einem Blauhai, beobachtet ein Seelöwe den getarnten Fetzenfisch – und gleichzeitig zeigt Audun Rikardsens Foto „Net loss“ ein geplatztes Netz voller toter Fische.

Das Bild ist ein Beispiel einer erschreckenden Realität: Bis 2100 könnten mehr als die Hälfte aller Meeresarten aussterben. Die industrielle Fischerei hat 90% der Bestände übernutzt, jeder dritter gefangenen Fisch landet nie auf dem Teller. Dazu kommen jährlich 5-12 Millionen Tonnen Plastik und eine Ozeanversauerung, die Korallenriffe bleicht und zerstört. Gleichzeitig leben 260 Millionen Menschen von der Fischerei und für mehr als 3 Milliarden Menschen ist Fisch die wichtigsten Proteinquelle. Wir können nicht einfach die Netze einziehen, ohne alternative Lebensgrundlagen zu schaffen.

Deswegen will das UN-Nachhaltigkeitsziel 14 Leben unter Wasser schützen, indem wir Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen.

Der Psalmbeter staunt über Gottes Schöpfung. Diese Ehrfurcht brauchen wir wieder – sie muss zu Taten führen: ökologische und nachhaltige Fischerei unterstützen, Plastik reduzieren, politisch handeln. Wir sind nicht Besitzer*innen, sondern Verwalter*innen dieser Vielfalt. Das Meer und das Leben unter Wasser zu bewahren ist Verantwortung und Gottesdienst zugleich.

„Gott, der HERR, brachte den Menschen in den Garten von Eden. Er gab ihm die Aufgabe, den Garten zu bearbeiten und ihn zu bewahren.“
(1. Mose 2,15 – HFA)

Kennst Du das auch? Früher, wenn wir als Kinder irgendwo einen Streich ausgeheckt hatten, dann musste einer „Schmiere stehen“, also aufpassen, dass nichts passiert. Die Redewendung kommt aus der Gaunersprache, stammt aber ursprünglich aus dem Hebräischen. Schamar bedeutet: Bewachen, bewahren, aufpassen. Das Wort kommt in der Schöpfungsgeschichte, Gen 2 vor:
Gott, der HERR, brachte den Menschen in den Garten von Eden. Er gab ihm die Aufgabe, den Garten zu bearbeiten und ihn zu bewahren. (Gen 2,15; HFA)

Wir sollen für Gottes Schöpfung „Schmiere stehen“. Es ist nach dem sogenannten zweiten Schöpfungsbericht der erste Auftrag überhaupt an den Menschen. Vielleicht kann man es den Grundauftrag nennen: Schmiere stehen für die Schöpfung.

Das 15. UN-Nachhaltigkeitsziel spricht vom Schutz der Landökosysteme, der Wälder, den Gewässern. Wenn wir uns für die Natur einsetzen, kommen wir dem menschlichen Grundauftrag nach. Umweltschutz ist kein Hobby, sondern von Anfang an unser Job als Christinnen und Christen. Und der tut auch noch gut: uns selbst und allen anderen.

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir erwartet: Recht tun, Güte lieben und besonnen mitgehen mit deinem Gott.“
(Micha 6,8)

In den vergangenen Wochen haben wir bereits 15 der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele kennengelernt, die sich spezifischen Bereichen unseres Zusammenlebens auf dieser Erde widmen. Für ihren Einsatz braucht es nicht nur unser persönliches Engagement, sondern auch starke Institutionen, die diesen Wandel aktiv vorantreiben.

Hier setzt SDG 16 an: Es will friedliche und inklusive Gesellschaften fördern, in denen alle Menschen gerecht behandelt werden, Zugang zu Justiz haben und Verantwortung klar geregelt ist.

Wenn wir uns eine gerechtere, friedvollere Welt wünschen, reicht es nicht, nur zu hoffen, dass sie irgendwann kommt. Wir sind eingeladen, selbst die Veränderung zu sein, die wir sehen wollen. Eine andere, gerechtere, nachhaltigere Welt ist nicht nur möglich – sie ist wahrscheinlich, wenn wir heute damit anfangen, sie zu bauen. Dazu gehört, sich für Transparenz einzusetzen, Korruption entgegenzutreten, faire Verfahren zu stärken und Menschen zuzuhören, die sonst überhört werden. Unser Handeln jetzt kann die Lebensbedingungen von Menschen morgen entscheidend verändern.

Der Prophet Micha spricht uns klar zu, was gut ist und was Gott von uns fordert: Recht tun, Güte lieben und besonnen mitgehen mit deinem Gott (Micha 6,8).
Wenn wir mit dem Gott der Gerechtigkeit besonnen mitgehen, stehen wir nicht allein. Gott selbst ist an unserer Seite, wenn wir uns für Frieden, Gerechtigkeit und starke Strukturen stark machen – besonders dort, wo diese Werte bedroht sind.

„Vollkommen aber ist meine Freude, wenn ihr euch ganz einig seid, in der einen Liebe miteinander verbunden bleibt und fest zusammenhaltet.“
(Philipper 2,2)

„Ich bin, weil wir sind“ – Ubuntu, die afrikanische Philosophie der Verbundenheit, malt ein starkes Bild: Wie ein Spinnennetz trägt jeder Faden das Ganze. Reißt einer, verändert sich vieles; alle können einander tragen.

Diese Verflechtungen werden in der Klima- und Gerechtigkeitskrise sichtbar: Kohlekraftwerke im Globalen Norden fördern Überschwemmungen vor allem im Globalen Süden; billige T-Shirts bedeuten Ausbeutung in Textilfabriken. Zugleich gibt es auch Netze der Hoffnung: Wissensaustausch zur Klimaanpassung, Frauen-, Friedens- und Klimabewegungen, Kampagnen für faire Löhne und Steuergerechtigkeit.

Die letzte Folge unserer SDG-Reihe gilt vielleicht einem der wichtigsten Ziele: SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele. Die Umsetzung der SDGs erfordert gemeinsame Verantwortung. Benötigt werden jährlich 4–7 Billionen US-Dollar, etwa für Bildung, starke Strukturen und Klimafinanzierung. Zudem braucht es Partnerschaften zwischen Regierungen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – echte Partnerschaften, die Machtstrukturen hinterfragen, Betroffene ins Zentrum stellen und Kürzungen bei solidarischer, politischer Arbeit verhindern.

Im Brief an die Gemeinde von Philippi ermutigt Paulus aus dem Gefängnis – getragen vom Glauben:
„Vollkommen aber ist meine Freude, wenn ihr euch ganz einig seid, in der einen Liebe miteinander verbunden bleibt und fest zusammenhaltet.“ (Phil 2,2)
Das ist eine Einladung zu geteilter Verantwortung, Mut und gelebtem Glauben – und zugleich ein leiser Protest gegen das herrschende System.

Wie Ubuntu ruft auch Paulus zu einer Gemeinschaft auf, die durch Liebe, kritisches Prüfen und Zusammenhalt ein starkes Netz knüpft – im Sinne der SDGs: ein Netz für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Dieses Netz ist zerbrechlich – und jede*r hält einen Faden. Lass ihn nicht reißen.
Ich bin, weil wir sind. Und das macht die Freude vollkommen.

Kontakt

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